Portrait

Wesselburen
Wien

Hebbels Leben

Wien

Hebbels Zeit in Wien brachte ihm endlich die ersehnte Anerkennung, ja Ruhm und Wohlstand. Es war dsazu ein "Wunder" nötig, wie Hebbel in einem Brief schrieb: Als er schon enttäuscht aus der österreichischen Hauptstadt abreisen will, laden ihn die galizischen Edelleute Zerboni, glühende Verehrer seiner bis dahin erschienenen Werke, geradezu überschwenglich ein, statten ihn mit neuer Gaderobe aus, geben ihm noble Unterkunft.
Dadurch wie verwandelt, begibt sich der Dichter erneut zu der gefeierten Christine Enghaus, die er zuvor schon aufgesucht und seinem Schaffen geneigt gefunden hatte, gewinnt ihr Herz und entscheidet demit sein "ganzes Leben", wie er schreibt.
Schon bald nach der Trauung erwies es sich, daß der Dichter nicht nur eine bedeutende Bühnenkünstlerin, sondern auch eine bemerkenswert hochherzige Frau geheiratet hatte. Nichts macht das deulicher als das Verhältnis, das Christine Hebbel zu Elise Lensing anknüpfte. Als der Dichter die berühmte Schauspielerin zu Frau nahm, brach für Elise, die viele Jahre lang Hebbels einziger Halt in menschlich-seelischer wie auch materieller Hinsicht gewesen war, eine Welt zusammen.
Christines einfühlsamer Wesensart gelang es, wieder eine Annäherung zwischen der enttäuschten Elise und dem zu schroffen Äußerungen neigenden DIchter herbeizuführen. Im Mai 1847 lud sie die Hamburgerin nach Wien ein, wo sie über ein Jahr als Gast bei den Hebbels verbrachte. Als Elise in die Hansestadt zurückkehrte, waren die beiden Frauen Freundinnen geworden. Christine gab Elise ihren Sohn Carl, den sie in die Ehe mitgebracht hatte, mit nach Hamburg. Dieser Sohn Christines, von Hebbel adoptiert, wurde von Elise erzogen. Ihr Leben erhielt dadurch wieder Inhalt und Aufgabe. Später wanderte Carl Hebbel nach Valparaiso aus, wo er die deutsche Schule mitbegründete.
Elise Lensing starb 1854 und wurde auf dem St.-Georg-Friedhof beigesetzt. Als Hamburg sich vergrößerte und dieser Friedhof eingeebnet wurde, hat Christine Hebbel 1899, 36 Jahre nach Hebbels Tod, in Ohlsdorf eine Grabstätte gekauft und die Freundin umbetten lassen.
Auf Elise Lensings Grab ließ Hebbel die folgenden Worte schreiben:

BLUMENKRÄNZE VERWEHT DER LEISESTE WIND, DONNERKRONEN JEDOCH NICHT DER GEWALTIGSTE STURM!